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Ausbau des Schulwesens in Sambalpur

 

„Bischof Westermann sah sich vor die große Aufgabe gestellt, seinen Sprengel aus den primitiven Anfangsverhältnissen herauszuführen", beschrieb Berchmans Reifig den Anfang von Westermanns Bischofsamt. Und Engelbert Zeitler urteilte: „[Westermann] wurde der eigentliche Architekt der Sambalpur-Mission. ... In seinen 23 Jahren als Bischof konzentrierte er sich vor allem auf den Aufbau von Schulen und einen systematischen Ausbau der alten und neuen Missions-Stationen."

 

Während seiner Amtszeit entwickelte Westermann für sein Bistum ein umfangreiches und zukunftsweisendes Schulprogramm. Bis Ende der 50-er Jahre arbeiteten etwa 400 Laien-Lehrkräfte und rund 200 Katechisten an der Verwirklichung dieses Programms (Statistik: Steyler Missionschronik 1959). Westermann trieb den Aufbau weiterführender Schulen konsequent voran, um einheimische katholische Laien zu Lehrern und Katechisten für die Missionsarbeit auszubilden.

 

In erster Linie ging es dem Bischof aber darum, indische Priester und Ordensleute heranzuziehen. Denn der Mangel an Nachwuchs war eines der größten Probleme der Missionsarbeit in Indien. Die indische Regierung beschloss nach der Unabhängigkeit 1947, keine ausländischen Missionare mehr einreisen zuBischof Hermann Westermann lassen. In den ersten Jahren nach Ausrufung der Republik Indien waren laut Westermann (Festschrift zur Verleihung der Ehrenbürgerrechte) noch einige Patres aus dem Ausland nach Sambalpur gekommen. „Dann ließ die indische Regierung keine weiteren ausländischen Missionare mehr ins Land. Indische Priester hatten wir damals nicht".

 

Anfang des Jahres 1959 ordnete die indische Regierung außerdem an, keine ausländischen Missionare mehr in die Randgebiete und Siedlungen der indischen Ureinwohner zu lassen. Außerdem sollte die Zahl der bereits in diesen Distrikten arbeitenden Missionare herabgesetzt werden. Im Übrigen sollte die Arbeit der bereits in Indien weilenden Missionare nicht behindert werden. Alle Neugründungen von Missionszentren und Missionsinstituten bedurften einer behördlichen Genehmigung, auch Krankenhäuser und Schulen. Die Regierung vertrat die Auffassung, dass auch die medizinische und erzieherische Tätigkeit der Missionare die Christianisierung der Bevölkerung zum Ziele habe.

Die Bestimmungen der indischen Regierung stellten die Steyler Missionare vor große Probleme. Denn ihr Personal hatte in den 30-er und 40-er Jahren nur aus nicht-indischen Missionaren bestanden. Wenn die Missionsarbeit nicht zusammenbrechen sollte, musste dringend Abhilfe geschaffen werden. Da keine Aussicht mehr auf ausländische Missionare bestand, ruhte die Hoffnung der Steyler auf den jungen Indern. Bereits 1951 gewann der Missionar Valentin Zimmermann 22 junge Inder, die bereit waren, das Noviziat bei der Steyler Missionsgesellschaft anzutreten. Am 21. Dezember 1951 kleidete Bischof Westermann die neuen Kandidaten ein. Die Novizen wurden zunächst provisorisch in einem einfachen Bauernhaus in Palda, am Stadtrand von Indore, untergebracht. 1953 errichteten die Steyler dort ein geräumiges Gebäude für ihre Novizen. 1956 gründete Pater Engelbert Zeitler SVD in Poona das erste Seminar für den indischen Steyler Priesternachwuchs. Bis 1964 folgten fünf Kleine Seminare, die sozusagen als „Zubringer-Anstalten" für das Große Seminar in Poona dienten.

 

Im Bistum Sambalpur konzentrierte sich Bischof Westermann zunächst auf die Aufgabe, eine katholische High School für Jungen aufzubauen. Dieser Schule in der Missionsstation Hamirpur (bei Rourkela) gliederte er ein kleines Priesterseminar in dem Ort Gaibira an. 1953 nahm der Deutsche dann die Eröffnung einer weiterführenden Mädchenschule in Sundargarh in Angriff. Die Eröffnung dieser High School war mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Das Hauptproblem bestand wie so oft darin, Personal für das Unternehmen zu bekommen. „In der ganzen Mission [befand] sich keine einzige staatlich geprüfte katholische Gymnasiallehrerin", schrieb Westermann 1953 im Arnoldus. Alle Schwesterngenossenschaften, die er deswegen ansprach, lehnten aufgrund eigenem Personalmangels ab. Unter den katholischen Laien fand der Bischof zunächst keine Lehrerinnen, die ihr Examen in der erforderlichen Volkssprache Uriya abgelegt hatten. Alle Nachbarsprengel hatten nämlich Hindi als Unterrichtssprache, Sambalpur dagegen den Dialekt Uriya. So blieb der Diözesanleitung zunächst nichts anderes übrig, als einige protestantische Lehrerinnen anzustellen. Die Leitung der Schule übertrug Westermann einem Pater. Das Schulgebäude war Ende Juni 1954, kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs, fertig. Im Arnoldus berichtete Westermann, dass kurz zuvor ein Staatsbeamter nach Sundargarh versetzt worden sei. Dessen Frau sei früher Direktorin einer höheren Mädchenschule gewesen. Sie sei sofort bereit gewesen, diesen Posten an der neuen Mädchenschule zu übernehmen. Außerdem meldeten sich noch mehrere Frauen als Lehrerinnen - eine Protestantin und einige Hindus. Zu Beginn besuchten 39 Mädchen aus den Pfarreien von Sambalpur, mit drei Ausnahmen alle katholisch, die Schule.

 

Ende der 50-er Jahre reichten die beiden High Schools für Jungen und Mädchen nicht mehr aus, um die wachsende Zahl katholischer und auch nicht-katholischer Schüler aufnehmen zu können. Daher war es nötig, eine dritte High School für Jungen zu errichten. „Es mußte in diesem Jahre mehreren katholischen Jungen die Erlaubnis zum Besuch von Staatsschulen gegeben werden, weil sie in der Missionsschule keine Aufnahme finden konnten. Auch die höhere Mädchenschule in Sundargarh hat in der achten Klasse 57 Mädchen", heißt es im Arnoldus 1958. Bis 1960 gab es in Sambalpur 165 Volksschulen mit 11.000 Schülern, sieben Mittelschulen für Jungen, drei für Mädchen, zwei High Schools für Jungen und eine High School für Mädchen. Anfang der 70-er Jahre verzeichnete Westermann elf höhere Schulen in der Mission, davon sieben für Jungen und vier für Mädchen; außerdem 200 Grund- und Mittelschulen. Von den fast 25.000 Schülerinnen und Schülern aller Schulen waren etwa zwei Drittel katholisch.

 

Westermann sah es als seine wichtigste Aufgabe an, die christlichen Inder in seinem Bistum zur Glaubensverkündung unter ihren Landsleuten zu befähigen. Er wollte damit den Worten des Papstes Leo XIII. (Pontifikat 1878 bis 1903) folgen: „Deine eigenen Söhne, Indien, werden dir das Heil vermitteln." Am 2. Februar 1952 konnte er in Kesramal den ersten Inder seines Bistums, John Kerketta aus Gaibira, zum Priester weihen. Am 21. Januar 1959 legten die ersten fünf Inder die ewigen Gelübde als Steyler Missionare in die Hand des Generalsuperiors ab. Zwei der neuen Missionare, die Diakone Minj Gregor und Tete Elias, kamen aus der Sambalpur-Mission. Am Sonntag, 4. Oktober 1959 spendete Bischof Westermann diesen beiden Steylern die Priesterweihe. 1979, fünf Jahre nach seinem Rücktritt als Bischof von Sambalpur, konnte Westermann berichten: „Es arbeiten jetzt schon 70 indische Priester neben 13 europäischen in der ganzen bisherigen Diözese Sambalpur."

 

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