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Sozialer Aufstieg in Indien nur durch Bildung möglich

22.09.2011

Erzbischof Raphael Cheenath, der derzeit durch Europa reist, tauschte sich gestern mit Bürgermeister Lothar Christ über die aktuelle Situation des Sozialinstituts Seva Sedan in Rourkela und über die Werner Schulstruktur aus. Denn: „Bildung ist eine lohnende Investition in die Zukunft – in Indien genauso wie in Deutschland“, waren sich beide einig.

 

Seit 1975 bietet das Sozialinstitut Seva Sedan den Ärmsten der Armen die Möglichkeit sich zu bilden und medizinische Hilfe zu erhalten. Erzbischof Chee nath hat dem Sozialinstitut viele Jahre lang vorgestanden, er war erster Nachfolger des 1985 verstorbenen Werner Ehrenbürgers und Begründers des Sozialinstitutes, Bischof Hermann Westermann. Auch in den Slums setzen sich die Mitarbeiter des Sozialinstituts ein, um das Leben der Menschen langfristig zu verbessern. Seit mehr als 25 Jahren hat die Stadt eine Patenschaft über das Sozialinstitut übernommen, und der Förderverein Rourkela unterstützt das Institut ebenfalls seit Jahrzehnten.

 

Erzbischof Cheenath betonte die wichtige Rolle von Bildung und Teilhabe am Gesundheitssystem für den sozialen Aufstieg der Unberührbaren, sie gehören zu den niedrigsten Kasten, Ureinwohnern – und Katholiken. „Wer zum Christentum konvertiert verliert alle Privilegien, die er zuvor genossen hat“, erklärte der Gast aus Indien, der mittlerweile pensioniert ist, in der 25 Millionen Einwohner-Stadt Mumbai lebt und sich weiterhin gegen Ungerechtigkeiten einsetzt.

 

Die Missionsarbeit der christlichen Kirche macht im Gegensatz zum indischen Staat keine Unterschiede, sondern unterstützt alle Hilfebedürftigen. Dabei spielten Schulen eine Schlüsselrolle. Dies gelte natürlich auch für Deutschland, waren sich Lothar Christ und der Erzbischof einig, der sich bei seinem zweitägigen Besuch ausgiebig über das neue Schulzentrum informierte. „Wer gut ausgebildet ist, kann es auch als Unberührbarer weit bringen. Im obersten Gericht sitzt zum Beispiel ein Unberührbarer“, so der Erzbischof.

 

Trotz eines solchen positiven Beispiels ist Erzbischof Cheenath skeptisch, ob sich die Schere zwischen Arm und Reich durch den Aufstieg von Indien zur Wirtschaftsmacht verkleinern wird. „30 Prozent der Einwohner Indiens sind sehr reich, 70 Prozent leben unter dem Existenzminimum. Eine Mittelschicht gibt es nicht“, erklärt der Geistliche und fügt hinzu: „Das Problem ist, dass die Regierung gute Ansätze zeigt, aber vieles bleibt nur auf dem Papier.“

 

Nach der Ernennung von Bischof John Barwa, dem Nachfolger von Erzbischof Cheenath als Bischof in Rourkela, im April des Jahres zum Erzbischof ist die Bischof-Stelle in Rourkela vakant. Der Papst wird die Nachfolge regeln. Bis die Stelle neu besetzt wird, könne noch ein halbes Jahr vergehen. Bis dahin steht Erzbischof John Barwa der Stadt und dem Förderverein weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

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