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Grüße zu Ostern von Bischof Alphonse Bilung

14.04.2010

Sehr geehrter Herr Lülf, herzliche Grüße aus dem Nuagaon-Krankenhaus / Rourkela. Ich habe versucht, die Zeitungen zu lesen, die Sie freundlicherweise Ihrem Brief beigelegt haben. Nun kann ich etwas besser verstehen, in welcher Situation sich die Kirche in Deutschland derzeit befindet. Ich male mir aus, dass sich eines Tages auch Indien mit einer ähnlichen Situation auseinandersetzen müsste: Die Wirtschaft und die moderne Art zu leben (way of life) sind heute unser Schicksal, ohne dass wir es unbedingt merken/beeinflussen können. Mein einfacher Menschenverstand sagt mir allerdings, dass Menschen – auch arm und ohne Bildung – selber ihren Platz in ihrer Gesellschaft in ihrem jeweiligen Land finden müssen.

 

Zum Sozialinstitut Seva Sadan kann ich derzeit nicht sehr viel sagen. Vor drei Wochen ist der neue SVD-Provinzial (Pater Telesphore Bilung) ernannt worden; eine Versetzung hat bis heute noch nicht stattgefunden, so dass wir derzeit keinen Bischof (in Rourkela!) haben.

 

Bischof John Barwa kümmert sich zwar um die Belange von Rourkela, aber sehr bald wird er die Mitteilung über seine Versetzung erhalten. Am 31. März feierte er die Heilige Messe mit seiner Eminenz Telephore Kardinal P. Toppo von Ranchi gemeinsam mit den Priestern der Diözese von Rourkela im Beisein zahlreicher gläubiger Männer und Frauen. Am 1. April hat er in Begleitung des Kardinals Cuttack-Bhubaneswar verlassen; auch viele Priester verließen den Ort mit dem Zug. Am 2. April wurde er zum Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar ernannt.

 

Viele wunderbare Dinge sind passiert – auch und gerade rund um Erzbischof John Barwa, aber Rourkela liegt leider noch „im Dunkeln“ und ist weiterhin ohne einen „Hirten“. Wir warten dringend auf einen neuen Bischof.

 

Ich habe Ihre Botschaft mit Grüßen direkt an Bischof John Barwa weitergegeben, als ich sie erhalten habe. Er erzählte mir von seinem Vorhaben, Deutschland zu besuchen. Im Mai werden die indischen Bischöfe unserer Region zu „Ad Limina“ in Rom weilen. Ich hoffe, dass es mit seinem Besuch in Werne klappen wird.

 

Es hat mich sehr gefreut, dass Sie mich an meine Besuche in Werne in der Vergangenheit erinnert haben. Wenn ich daran, an Ihren Besuch in Indien und in freundlicher Erinnerung auch an Bischof Hermann Westermann denke, fühle ich, dass ich eigentlich immer noch im Büro des Bischofs setze. 

 

Es ist daher angebracht, Ihnen und Ihren Freunden und Förderern, die sich bis heute für uns einsetzen, ein großes Dankeschön zu sagen. Ihr Vorgänger Franz-Josef Grube ging einst mit mir von Tür zu Tür, um Spenden für Rourkela zu sammeln. Möge Gott ihm das ewige Leben schenken.

 

Ich erinnere mich daran, dass auch Sie mich persönlich begleitet und versucht haben, davon zu überzeugen, Gelder und Sponsoren in die Bildung und Erziehung junger Menschen zu investieren und am Ende auch das Priesterseminar  zu finanzieren. Dies sind nur einige Auszüge Ihres Engagements und Einsatzes für Rourkela. Sie und Ihre Freunde haben so viel für das Sozialinstitut  getan, dass ich mich nur ehrlich bedanken und für Sie beten kann.

 

Ich verstehe Ihren Brief auch dahingehend, dass die offizielle Stadt Werne weiterhin ein großes Interesse an der Patenschaft (zum Sozialinstitut Seva Sadan) hat.

 

Ich bin nach wie vor interessiert an der Arbeit in der Diözese Rourkela und werde weiterhin meine Kraft dafür einsetzen. Sollte meine Gesundheit einmal nachlassen, werde ich mich mit viel Gottvertrauen zurücklehnen, so wie ich es jetzt tue. Ich schließe Werne und alle meine Freunde im In- und Ausland in meine Arme.

 

Um das Problem aber zu lösen, müssen wir beten, einen guten Hirten in Rourkela zu bekommen, mit dem wir vertrauensvoll zusammenarbeiten können und der uns zukünftig führen wird.

 

Nun zu mir: Vor fast zwei Jahren bin ich am rechten Auge am grünen Star operiert und mir ist eine neue Linse eingesetzt worden; dennoch kann ich immer noch sehr schlecht mit dem rechten Auge sehen. Ich besuche meinen Augenarzt in Kalkutta ein Mal in zwei Monaten. Im letzten Dezember hatte er allerdings für zwei Monate Urlaub und war nicht erreichbar.

 

Im Januar war ich in Neu Dehli und habe zehn Tage gemeinsam mit meiner Familie Urlaub gemacht. Es war sehr kalt dort, so dass ich nach meiner Rückkehr nach Rourkela lange und schmerzhaft erkrankte. Ich konnte noch nicht einmal spazieren gehen; meine Genesung dauerte viele Wochen.

 

Erst seit vier Tagen sitze ich wieder in meinem Büro und arbeite; inzwischen schreibe ich auch wieder einige Briefe; dies ist der längste Brief, den ich bisher geschrieben habe,

 

Ihr Bischof Alphonse Bilung

Bishop Emeritus of Rourkela

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Grüße zu Ostern von Bischof Alphonse Bilung